Die staatliche Förderung der privaten Pflegeversicherung (Pflege-Bahr)

Für eine der dreistesten Verarschen der aktuellen Regierung, halte ich das Thema geförderte Pflegeversicherung (auch als „Pflege-Bahr“ bekannt gemacht).

Nach außen (also gegenüber dem Bürger) werden nur die positiven Alleinstellungsmerkmale angepriesen, die da wären:
– staatliche Subvention (von 60 Euro im Jahr)
– Kontrahierungszwang (Jeder Bürger ab dem 18ten Lebensjahr muss aufgenommen werden, sofern er noch keine Pflegestufe hat). => Damit haben erstmalig auch wieder Menschen eine Möglichkeit sich abzusichern, die aufgrund der bisherigen Beitragskalkulation der privaten Versicherer als ein zu hohes Risiko eingestuft wurden und nicht mehr versichert werden „konnten“.

Gute Idee! Aber…

Wenn man sich als interessierter Bürger mit dem Thema beschäftigt, erfährt man doch sehr schnell, dass gar nicht alle Tarife diese Förderung erhalten, sondern nur die neuen, eigens für die staatliche Förderung entwickelten Tarifen. (1. Verarsche: Weitsichtige Bürger, die in den letzten Jahren schon eine private Pflegeversicherung abgeschlossen haben, gehen leer aus!)

Wer sich auf die neuen Tarife einlässt und an einen aufrichtigen und gut informierten Versicherungsmenschen gelangt, erfährt dann auch schon die ersten Häckchen, die ich nur der Vollständigkeit halber notieren, aber gar nicht kommentieren will. Da ich anschließend auf etwas viel weitreichenders hinaus will:

– Wartezeit von bis zu 5 Jahren
– Die Mindestabsicherung von 600 Euro bezieht sich auf die selten erreichte Pflegestufe 3, die übrigen Pflegestufen fallen vergleichsweise gering aus.
– Meistens Beitragspflicht trotz Pflegebedürftigkeit=> Die Nettoleistung ist damit wiederum deutlich geringer als die plaktativ beworbene Bruttoleistung.

Doch selbst wenn man diese Faktoren berücksichtigt und für sich zu dem Schluss kommt: „Ich mach das jetzt!“, gibt es einen ganz gravierenden Faktor, den keiner vorhersagen kann und somit in den meisten Beratungen (geschweige denn in der Politik) unerwähnt bleibt:

– Dir größte Verarsche:
– DIE SCHADENSENTWICKLUNG

Schließlich kann keiner vorhersagen, wieviele der heute schon teilweise kranken Versicherten in 5 Jahren pflegebedürftig sein werden. (Bisher hatte die Branche überwiegend nur die „leichten Risikofälle“ ohne Vorerkrankungen abgesichert.)
Da die bisherigen Pflegetarife mit Gesundheitsfragen weiterhin zu günstigeren Monatsbeiträgen angeboten werden, als die geförderten Tarife, werden die aufgeklärten und gesunden Interessenten wohl eher die günstigere Variante (mit den für sie nicht relevanten Gesundheitsfragen) wählen. Die gesundheitlich beeinträchtigten Bürger haben nur die Wahl „Förderpflege oder gar nix“
Damit sich die gesunden Menschen auch bloß nicht in die geförderte Pflegeversicherung verirren und es zu einem repräsentativen Mix kommen kann, erhalten die Versicherungsmenschen in der Regel für verkaufte geförderte Pflegeversicherung wesentlich weniger Provision als für einen alten Tarif (bei gleicher Beitragszahlungsdauer).
Da also keiner den Schadensverlauf seriös vorhersehen kann, die Regierung den Versicherungsunternehmen ein kleines Hintertürchen offen gelassen:

DER BEITRAG KANN DEM SCHADENSVERLAUF ANGEPASST WERDEN! Das ist für mich die größte Ver…..schleierung der Politik. Dem Bürger wird ein Produkt angeboten, dessen Preis-Leistungsverhältnis keiner kennt geschweige seriös beurteilt werden kann. Die Regierung verkündet es als neuen Meilenstein bei der Bewältigung der Altersarmut im Pflegefall.

Im schlimmsten Fall ist aber genau das Gegenteil der Fall: Wenn der Beitrag in fünf Jahren (nach Ablauf der Wartezeit) jedes Jahr ansteigt, müssen viele Versicherten ihre Versicherung kündigen. Die neuen Beiträge sind dann zu hoch geworden. Der eingezahlte Beitrag, sowie die staatlichen Fördergelder bleiben komplett bei den Versicherer. Eine (Teil-)Rückzahlung der Beiträge wird nicht vorgesehen.

Meine Lebenserfahrung verrät mir neben des effektiven Lobbyeinfluss der Versicherungsbranche aber noch einen zweiten Aspekt, für dieses Volksverarschegesetz:

Der überwiegende Teil der Bürger, die Dank der Gesetztbeschlusses nun erstmals ohne Gesundheitsfragen aufgenommen werden müssen, haben meist eine geringere Rente. Aufgrund ihrer Krankheiten gehen sie zum Teil vorher mit Abschlägen in Rente oder konnten aufgrund der Krankheit nicht mehr arbeiten und somit auch keine Beiträge mehr in die Rentenkasse zahlen. Im Falle eines Pflegefalles wären sie viel früher von der Sozialhilfe (also der Staatskasse) abhängig. Jeder investierte Cent dieser Bürger in eine geförderte Pflegeversicherung entlasstet nicht den Bürger, sondern hauptsächlich den Staat.

Herzlichen Dank, meine Volksvertreter!

… und hier mein Versuch das Problem kurz zu skizzieren: Volksverarsche Pflege-Bahr

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  1. Sie haben Recht!
    Aus unseren aktuellen Erfahrungen heraus kann ich die Aussage oben nur bestätigen. Die Pflege Bahr Tarife werden vorrangig nur von Menschen mit schweren Vorerkrankungen, welche bei den normalen Tarifen niemals unterkommen würden, abgeschlossen. Gesunde Menschen verzichten dankend auf die lächerliche Förderung und entscheiden sich lieber für einen beitragsstabilen Tarif mit Gesundheitsfragen. Was das für die Schadensquote sowie die Beitragsentwicklung in den Pflege Bahr Tarifen bedeutet kann sich jeder selbst ausrechnen.

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