Der ökologische Belag

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Jaenicke,

Ich möchte Ihnen berichten, dass man Kunststoff auch „anders“ recyceln kann.

Der ökologische Belag

Ich bin Tierärztin und habe mir 2006 einen Bauernhof gekauft, um dort meine Pferde zu halten, dabei habe ich teilweise Pferde vom Schlachthof gekauft und wollte mit einer kleinen Zucht dies mitfinanzieren. Anfang 2007 habe ich mir einen Reitplatz bzw. Auslauf bauen lassen. Ich wählte damals eine Konstruktion aus Kunststoffgitterplatten, da man damit warb, dass er ganzjährig benutzbar sei und es sich um eine ökologische Befestigung handelt, indem man so nicht in die Natur eingreifen würde. Die Platten wurden als umweltneutral aus  100% recyceltem Kunststoff aus dem dualen System  angepriesen. Schon nach kurzer Zeit begannen die Pferde zu stolpern und zu fallen und ich fand immer häufiger Bruchstücke der Gitterplatten, leider habe ich sie mir damals nicht genauer angesehen. Nach langem hin und her war die Firma endlich bereit den Platz im Jahre 2009 im April zu sanieren und man behauptete, die Platten wären beim Bau zerbrochen(es waren über Hundert) Doch leider dauerte es nicht lange und ich fand wieder Bruchstücke der Platten. BruchstückeDiesmal sah ich aber genauer hin. Die Bruchstücke waren aus einem ganz porösen grauen Material in dem man kleinste Teile an  Kunststoff noch im Originalzustand, Blech  und Aluminium sehen konnte. Ich zeigte sie einer Patientenbesitzerin, die in der Kunststoffindustrie gearbeitet hat, die meinte, dass so Kunststoff aussähe aus dem der Weichmacher entweicht und somit der Gegenstand brüchig wird. Ich habe dann eine Analyse in einem Labor anfertigen lassen, wo in großen Mengen Metall und die beiden Stoffe Phthalate und Nonylphenol nachgewiesen wurden( es wurden nur diese beiden bestimmt)Leider waren die beiden Stoffe knapp unterhalb der rtlaubten Höchstgrenze. Da diese Platten sehr schwer sind habe ich ausgerechnet, dass auf meinem Platz etwa 186 kg Aluminium, 20 kg Eisen 1,1 kg Kupfer 320 g Blei und 36 g Cadmium liegen. Beide Weichmacher machen etwa 10 kg aus. Die Kunststoff und Metallteile haben sich dann als Elektroschrott herausgestellt, der einfach in die graue Masse untergearbeitet wird, den man aber nur erkennen kann, wenn die Platten brechen, wie in meinem Fall.     So habe ich mir meine eigene Mülldeponie errichtet und habe dafür auch noch viel Geld bezahlt.   Aber es kommt noch arger.

Wie erwähnt habe ich gezüchtet. Von den 11 Fohlen, die hier auf die Welt kamen, waren nur 2 bei der Geburt gesund. Ein  Fohlen hatte eine Schleimhautmissbildung des Gaumens, sodass immer wieder Futter in die Nase kommt. Ein Fohlen war blind, es hatte keine Pigmente im Auge(sie kamen aber nach ein paar Tagen), 3 Fohlen waren nach der Geburt nicht in der Lage aufzustehen. Ich habe sie dann 2-3 Tage hochgehoben. Danach waren sie gesund für einige Monate und entwickelten dann eine fortschreitende Ataxie, sie bewegen sich so als wären sie betrunken. Leider ist eine Stute vor ein paar Tagen daran gestorben. Sie konnte nicht mehr aufstehen. 2 Fohlen lagen zweimal bei derselben Stute bei der Geburt In Hinterendlage und sind erstickt. Ein Fohlen wurde resorbiert und eine Stute hatte eine Fehlgeburt im 6. Monat.

Des Weiteren habe ich einen Wallach, der am Hals mehrere kleine Knoten entwickelt hat, aus dem sich leider aus einem dann einen Geschwulst entwickelt hat.

080Ich habe einem Professor des Helmholtz Institutes geschrieben und der meinte, es müssten vielleicht noch andere Substanzen in den Platten enthalten sein und hat diese untersucht. Dabei fand er für alle überraschend hochgiftige leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe, die normalerweise nur kurz in einem Gegenstand nachweisbar sind. Wie kann man diese noch nach 5 Jahren, wo die Platten im Boden liegen noch nachweisen? Wie hoch waren sie zu Anfang?

Ich hatte schon vor zwei Jahren einen Anwalt eingeschaltet, da ging es aber erst mal um den Zustand des Platzes und dass man auf Grund der Nässe nicht darauf reiten konnte. Als ich dann später die Zusammensetzung der Platten entdeckt habe, war er erst sehr aktiv, hat sogar Berichte in Fachzeitungen über meinen Verdacht geschrieben. Plötzlich jedoch vergaß er Fristen und wich mir dauernd aus und führte Dinge, die zu meiner Verteidigung wichtig waren nicht mehr aus. Alle Artikel, auf seiner Homepage wurden entfernt und er hat indirekt später zugegeben, dass er unter Druck gesetzt wurde.

Ich habe schon mit mehreren Behörden gesprochen, aber leider ist keiner für mich zuständig. Es ist keine Tierseuche, der Tierschutz tritt nur bei Vorsätzlichkeit auf und Lebensmittel sind meine Pferde auch nicht.

Aber am besten war Greenpeace. Sie haben mich noch nicht einmal den ersten Satz ausreden lassen. Die Dame meinte das wäre ja eine individuelle Sache, da wären sie nicht zuständig, außerdem hätten sie ja nichts mit Tieren zu tun, sondern mit der Umwelt. Ich entgegnete, dass aber diese Stoffe doch in die Umwelt gelängen und sie meinte die wären ja sowieso schon überall drin. Mit der Einstellung kann man bestimmt keine Welt retten.

Ja, ich bin nicht gerade in einer rosigen Situation. In meinem Stall stehen fast nur alte und kranke Tiere, jeden Monat muß ich die Raten an die Anwälte abstottern, obwohl ich der Meinung bin, dass ich im Recht bin und der Reitplatz ist auch nicht richtig nutzbar, da mir das Geld fehlt ihn zu sanieren.

Im Herbst haben wir einen gemeinnützigen Verein gegründet und ich versuche über Patenschaften und Spenden den Pferden ein noch hoffentlich langes Leben zu ermöglichen. Unsere Homepage lautet: pferdepatenschaft.com

Diese Platten werden weltweit als Reitplatzplatten und auch zur Grünflächenbefestigung verkauft. Ob die Krankheiten meiner Pferde etwas mit den Substanzen zu tun haben, kann man lediglich vermuten, beweisen kann ich es wohl nie.

 

Die Abgabe von Kommentaren auf dieser Website war in der Zeit von Mai bis Dezember 2013 möglich. Wir haben uns sehr über die vielen engagierten Beiträge gefreut. Aus zeitlichen Gründen können wir eine dauerhafte redaktionelle Betreuung nicht mehr aufrechterhalten, so dass wir die Blogfunktion ausgesetzt haben. Wir bitten um Verständnis.

  1. Liebe Frau Brummer,
    leider habe ich erst jetzt Ihren Beitrag gesehen und möchte mich für Ihre lieben Worte sehr herzlich bedanken.Es tut gut, wenn man so unterstützt wird, es spornt mich an weiter zu machen.Vielen Dank.

  2. Liebe Tierärztin,

    vielen Dank für Ihren Bericht, der andere Menschen und Tiere warnen und schützen möge.

    Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie leid mir Ihre Tiere tun und Sie, die dieses erbarmungswürdige, menschengemachte Elend ertragen müssen und ausdauernd begleiten.

    Ich hoffe sehr, dass Ihr Verein und viele Mitglieder und Spenden das tierische Elend lindern und auch Ihre eigene ökonomische Existenz sichern wird und wünsche dafür viel Resonanz !

    Mitfühlende Grüße von einem weiblichen Mitwesen.

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