Das Spiel der Spielwarenindustrie

Die flauschigen Produkte der wohlwollenden Spielwarenindustrie

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Der Übergriff der Erwachsenen
Ich ärgere mich über die bonbonfarbenen Produkte der Spielzeugindustrie, wie Mattel, der Simba-Dickie-Group, Toys R Us, Disney & Co. Sie führen unsere Kinder in eine verdrehte Welt.
In sterilen und nüchternen Konferenzräumen der Spielwarenkonzerne werden Kinderträume konzipiert, die aus Profitgründen das Herz von Kindern, Eltern und Einkäufern höher schlagen lassen sollen. Produktentwickler konstruieren eine Welt, in der es um Reichtum, Macht, Magie und Schönheit geht und greifen damit in die Phantasie unserer Kinder ein.

Nicht mehr: „Lebe deinen Traum“, sondern „Träume dein Leben“
Mein größter Augenfraß ist Mattel, der Barbieproduzent. Mattel bestimmt mit seinen Produkten so sehr die Mädchenwelt, dass Barbie für sie mehr als nur eine Puppe ist. Zu jedem neuen Produkt auf dem Markt gibt es eine Aktion, wie zum Beispiel das „Dreamhouse“ in Berlin. Es wird nicht mehr lange brauchen, bis Barbiemöbel als Massenprodukt bestellbar sind und diese Einrichtung zum Standard vieler Kinderzimmer erklärt wird. Der Slogan „Träume dein Leben“ existiert schon. Zur Primaballerina veranstaltete Mattel in der Berliner Staatsoper die Aktion „Tanzen wie das Vorbild Barbie“. Das neue Kreuzfahrtschiff von Barbie kam auf den Markt und dazu gibt es bei der  Reederei Royal Caribbean eine Kreuzfahrt rund um Barbie. Die Reise ist buchbar mit allen pinken Klischees. Barbie hat eigene Modedesigner und dann gibt es auch noch die Businessbarbie, von der Architektin bis zur Zahnärztin, alles in zartrosa bis schrillpinkem Ambiente.

Aber nicht nur in die Welt der Mädchen greifen sie ein. Wenn ein Mädchen lernt, dass Schönheit und Reichtum ein maßgebliches Lebensziel ist, dann ist diese Weltanschauung ebenso für Jungs prägend.

Phantasie ist charakterformend
Kinder lernen zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr zwischen “echt und unecht” zu unterscheiden, das ist die “Magische Phase”. Hier wird ihr Denken und Handeln bestimmt. In dieser Phase formt die Phantasie den Charakter. Weil Barbie alle Altersstufen bedient, verlassen viele Mädchen diese “Magische Phase” nicht. Das führt dazu, dass Barbies Welt bis in die Pubertät real erscheint. Bei manchen Mädchen auch über die Pubertät hinaus, wie bei der 21 jährigen Valeria Lukyanova aus Russland, die sich zur täuschend echten Barbiepuppe  modellieren ließ.

Der Preis der flauschigen, pinken Traumwelt
Darüber hinaus lenken die bonbonfarben Produkte und Verpackungen von gesundheitsschädlichen und umweltzerstörerischen Tatsachen ab. Sie lenken auch davon ab, dass sie in der chinesischen Provinz  Guangdong, der größten „Werkbank der Welt“ hergestellt werden. Die Provinz Guangdong hat 145 Millionen Einwohner, (davon 30 Millionen Wanderarbeiter) und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 zu einem der dynamischsten Wirtschaftsstandorte der Welt auszubauen. In Guangdong (Shenzhen) sind über 10.000 Spielzeugfabriken ansässig und fast alle Markenfirmen lassen hier ihre Spielwaren produzieren oder zuliefern. Viele Firmen zeigen zwischenzeitlich transparenz und arbeiten nach fairen Arbeitsstandards ein. Aber es gibt auch immer wieder konkrete oder ernstzunehmende Vorwürfe der Kinderarbeit, beispielsweise gegen Mattel.  Auch Mexiko und Indonesien sind bekannt für Kinderarbeit.

Produktentwickler in der Spielzeugindustrie haben eine bildungspolitische Verantwortung
In was für eine absurde Welt wachsen unsere Kinder hinein? In den Fabriken arbeiten Kinder, Jugendliche und junge Frauen für einen Stundenlohn von 11 Cent bei einem 16 stündigen Arbeitstag.  Sie und wir verbringen die wichtigste Zeit ihres und unseres Lebens damit, die Retortenphantasien der Produktentwickler umzusetzen.

Wenn ich diese in pink getauchten Spielzeuge, speziell Barbiekleider sehe, dann frage ich mich,  was in den Köpfen der Kinderarbeiter in China, Mexiko oder Indonesien wohl vorgehen mochte, während sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dieses Zeug für unsere Gesellschaft produzierten?

Manuela Klein, Berlin

Zwei Minuten gegen das Spiel der Spielwarenindustrie:
Bettina Wegner „Kinder“

 

Quellen und weiterführende Links:
Aktiv-gegen-Kinderarbeit
Firmenübersicht zum Stand der Umsetzung des ICTI-Kodex bei chinesischen Lieferanten deutscher Spielwarenhersteller
Fair spielt, PDF – Dokument

 

 

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