Alles Bio – oder was?

„Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt,
er ist nur ein Strang dieses Netzes.
Was immer er diesem Netz antut, tut er sich selbst an.“
Häuptling Seattle aus Amerika

 

Seit den 90er Jahren versuche ich meine Familie und mich möglichst mit Bio-Nahrungsmitteln zu versorgen und bin immer wieder auf der Suche nach Möglichkeiten das Leben alternativ zu gestalten. Das gelingt mir, bedingt durch familiäre oder berufliche Rahmenbedingungen, mal mehr oder weniger gut. Bezüglich meiner Ernährung bin ich aber ziemlich konsequent, da ich es immer wieder erlebe, wie fit man sich fühlt, wenn man auf seine Ernährung achtet. Dieser Konsequenz verdanke ich es auch, dass mein privates Umfeld mir den humorvollen Namen „Bio – Erna“ verliehen hat. Soweit so gut. Aber in den letzten Jahren ärgert es mich immer mehr, dass Bio-Produkte und -firmen in Skandale verwickelt sind. Häufig diskutiere ich mit Freunden und Bekannten, die sich teilweise nur konventionell ernähren, über dieses Thema. In einem dieser Gespräche erzählte mir eine Bekannte, die in einem nahe gelegenen Supermarkt arbeitet, dass dort konventionelle Produkte einfach mit Bio-Labeln um etikettiert werden, welch eine Gewinnsucht!

Ein anderes Beispiel: Freunde haben uns ein nettes, kleines Hotel an der Ostsee empfohlen, welches vegetarische Bio-Kost anbietet. Es wirbt auf seiner Homepage mit der Bezeichnung „Bio- und Gesundheitshotel“ und ist seit 2007 als Bio-Hotel zertifiziert. Alles sah prima aus – also gesagt, getan und schon buchten wir. Und – es war wie versprochen, sehr gutes Essen, große geräumige, nach ökologischem Standard eingerichtete Zimmer. Alles schien perfekt.

Bei dem reichhaltigen Büfett stießen wir auf sehr leckeren Käse. In der Info-Broschüre des Hotels wurde darauf verwiesen, dass sie den Käse aus der „Gläsernen Meierei“ (Bio-Betrieb) beziehen würden. Dies klang für uns sehr interessant. Deshalb beschlossen wir, auf dem Heimweg dort vorbeizuschauen und uns etwas Käse mitzunehmen. Da es sich um eine „Gläserne Meierei“ handeln sollte, dachten wir, vielleicht einen Blick auf die Käseherstellung werfen zu können.

Also fuhren wir hoffnungsvoll mit einem rundum gelungenen Wochenende im Gepäck zu dieser Meierei. Der Ort, in dem sich diese Meierei befinden sollte, war nicht sehr groß. Wir suchten nach Hinweisschildern, aber nichts war zu sehen. Endlich stießen wir auf ein Gewerbegebiet und an der Eingangstafel war tatsächlich die „Gläserne Meierei“ ausgeschildert. Aber in dem Gewerbegebiet befand sich leider, außer anderen nicht Nahrungsmittel produzierenden Gewerben, nur ein riesengroßes Firmengelände von Hansano. Wir waren sehr verwundert, wo sollte sich die „Gläserne Meierei“ befinden, denn Hansano steht ja nun nicht gerade für Bio-Nahrungsmittel.

Wir entdeckten einen Pförtner und fragten nach, wo wir in diesem Ort die „Gläserne Meierei“ finden könnten. Der Pförtner grinste nur verschmitzt und sagte: „Hier.“ Völlig verdattert fragten wir weiter nach. Dies sei doch ganz offenkundig ein Firmengelände von Hansano. Das stimme, antwortete der Pförtner, aber die „Gläserne Meierei“ würde hier ein paar Büroräume besitzen. Büroräume zur Käseherstellung? – hier stimmte doch etwas nicht.
Zu Hause angekommen, ließ mich dieses Erlebnis nicht los. Also schrieb ich der „Gläsernen Meierei“, nachdem ich folgende Zertifizierung für die „Gläserne Meierei“ in diesem Ort im Internet gefunden hatte.

Gläserne Meierei GmbH
IFS International Food Standard
DIN EN ISO 9001:2000
NOP-Zertifizierung
Kosher-Zertifizierung
EG-Öko-Verordnung
Naturland Lizenzbetrieb
Quelle: glaeserne-meierei.de

Ich fragte bei der „Gläsernen Meierei“ nach, wofür man diese Zertifizierung hätte, da an diesem Standort ja nur Büroräume zu dieser Firma gehörten. Es kam leider keine Antwort.
Aber ich gab nicht auf und schrieb eine mail an das Bio-Hotel. Wie es denn sein könne, dass sie ihre Milchprodukte über eine Meierei beziehen würden, die nur aus Büroräumen bestünde. Hier erhielt ich eine Antwort. Das Hotel teilte mir mit, dass man wisse, dass sich die Firma auf dem Gelände von Hansano befinden würde. Hier würde man auch produzieren. Man würde die „normale“ Hansano-Produktion unterbrechen, alle Gerätschaften reinigen, die Bio-Produkte produzieren usw.. Ich denke, dass jeder Laie sich vorstellen kann, dass dies kaum möglich ist, allein aus wirtschaftlichen Aspekten.

Wie wird man hier „verarscht“…..
Solche Beispiele von offensichtlichen Betrügereien machen uns Bio-Fanatikern das Leben schwer. Wie soll man argumentieren, wenn immer wieder derartig bewusste Täuschungen, zuletzt häufig medienwirksam gezeigt, den eigentlich sehr guten Gedanken unterlaufen. Aber trotzdem …

 

… „Der beste Zeitpunkt, etwas zu beginnen, ist jetzt.“
Barry Clark (tibetischer Arzt)

 

bio KONSUMENTEN-NAVI

Wer sicher gehen möchte, dass man wirklich Bio kauft, was als Bio deklariert wurde, sollte sich, wie im Buch beschrieben, an Demeter-Produkte halten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, sich sogenannte „Anteile“ an einem Bauernhof zu kaufen, der nach den entsprechenden Bio-Richtlinien wirtschaftet. Außerdem unterstützt man dann die Bio-Landwirtschaft in der eigenen Region.
3sat/wissenaktuell
welt.de/regionales
greenpeace-magazin.de

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  1. die Biomilch wurde in upahl (arla/hansano) angeliefert durch fahrzeuge der Gläserne Molkerei.es wurde wirklich eine abtankspur und tanks nur für diese Produkte zur verfügung gestellt..dies war auch nur so lange bis die Produktionanlagen in delchow fertig gestellt waren und der betrieb eigenständig produziert.. beide Betrieb haben nichs mit einander zu tun.

    und für alle die Bio milch produkte konsumieren…..BIOMILCH wird immer getrennt von der anderen konventionellen rohmilch verarbeitet..es gibt hier keine verarsche oder schummellei..
    betrug kann sich kein Milchverarbeitender Betrieb mehr erlauben…

  2. nicht gut genug recherchiert…
    Die ehemalige Geschäftsadresse lautet auf die selbe wie Hansano (jetzt ARLA) das stimmt, aber es ist bei vielen Betrieben so, dass die Geschäftsadresse abweicht von der Produktionsstätte.

    Die Gläserne Meierei und die Gläserne Molkerei haben Betriebsstätten in Dechow und Müchehofe (Spreewald) dort wird nach strengen Biorichtlinien ausschliesslich Biomilch verarbeitet.
    Die Produkte haben eine hervorragende Qualität, auch wenn sie im industriellen Massstab hergestellt werden und nicht in einer Hofkäserei, das ist wohl die einziger Verarsche…

    In beiden Betrieben gibt es Betriebsführungen.
    Gläserne Meierei

  3. Ich bin Allergiker, daher muss ich sowas wissen 🙂 Da ist das aus ganz anderen Gründen relevant. Wenn von Spuren die Rede ist, dann werden allergenhaltige und nicht allergenhaltige Produkte in einer Anlage produziert. Muss man nur wissen, ob man mit Spuren (das ist wirklich fast nicht nachweisbar, was vom vorherigen Produktionsprozess in der Anlage bleibt) klarkommt (ich habe Glück) oder nicht (eine Freundin von mir nicht).
    Was die wechselnde Produktion von Bio/nicht-Bio betrifft, so wird das vor allem über die stoffströme kontrolliert. Die angelieferten Mengen und die Produktion wird dokumentiert. Natürlich gibt es da Ausfälle/Verderb, so dass da ein geringer Spielraum für Schwindel ist. Aber der potentielle Rufschaden dürfte sich für den Hersteller nicht lohnen. Problematish ist eher, dass die EU-Bioverordnung erlaubt, dass Bauern sowohl Bio- als auch nicht Biofelder haben dürfen. Da ist eher Spielraum für Manipulation. Was Milchprodukte betrifft, so gibt es hier eher eine Überproduktion an Biomilch. Es soll wohl oft vorkommen, dass Biomilch in konventionelle Milch gemischt wird. Gerüchten zufolge soll Käse der dänischen konventionellen Marke Arla zu großen Teilen aus Bio bestehen, auch wenn es nicht gekennzeichnet ist (ich kenne ein paar Dänen). Bei Bio in Deutschland mache ich mir wenig Sorgen: Es wird viel kontrolliert. Bei Fleisch, wo die Regeln eh lax sind und die Gewinnspanne im Betrugsfall extrem hoch ist, sehe ich das meiste Betrugspotential und es kommt auch immer wieder vor. Ansonsten liegen die Probleme für Biobetrug eher in Italien und Spanien, wo die Kontrollen lax sind

  4. Hallo Mark,
    vielen Dank für deinen / Ihren aufschlussreichen Kommentar. Da Sie sich scheinbar etwas genauer mit dieser Materie auskennen, wüssten Sie eine Möglichkeit, wo man sich solch eine Vorgehensweise in der Praxis einmal ansehen kann, also dass konventionelle Produkte parallel zu Bio-Produkten hergestellt werden. Alles zusammen in einer Produktionsstätte, dann sind ja dem Betrug keine Grenzen gesetzt, oder wie wird es dann überwacht? Ich freue mich von dir / Ihnen zu hören.
    Herzliche Grüße
    Heike

  5. Ich würde ja zustimmen, dass Demeterprodukten von Höfen und Produzenten, die 100% Bio produzieren sympathischer und glaubwürdiger sind. Allerdings würde ich die Molkerei im obigen Beispiel jetzt nicht von den beschriebenen Umständen her für unglaubwürdig halten. Es gehört zum normalen Produktionsprozess auch konventioneller Lebensmittel, dass man verschiedene Produkte in den Anlagen produziert und zwischen diesen Produktionslinien die Anlagen entsprechend reinigt. Insofern halte die oben gegebene Erklärung für glaubwürdig. Die Vermarktung als „Gläserne Meiere“ ist das entsprechend fragwürdige.

    • bei hansano wurd nur für die Gläserne produziert weil ihre eigene anlagen zu diesem zeitpunkt noch im aufbau waren..seit april2012 produziert delchow selber….siehe webseite gläserne molkerei……

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